Ibrahim Kadoura
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Wie ist es für jemanden, der nach Deutschland kommt und für den alles neu ist? Die Sprache, die Kultur und das Klima? Ibrahim kümmert sich um persönliche Begegnungen zwischen Einwander*innen und Locals. Diese Freundschaftstandems gibt es in vielen Städten. Er bemüht sich in Leipzig darum, dass solche Begegnungen und Freundschaften entstehen können. Was er bei diesem Austausch erlebt hat und was ihn alles bisher geprägt hat, könnt ihr jetzt hier nachlesen:

Wo bist du aktiv und für was engagierst du dich?
Ich bin bei „Start with a Friend“ aktiv. Wir bilden Freundschaftstandems zwischen Menschen, die neu in Deutschland sind und Menschen, die schon länger hier leben. Damit wollen wir vor allem geflüchteten Menschen dabei helfen den Zugang zur Gesellschaft zu erleichtern. Start with a Friend ist bundesweit in über 20 Städten aktiv und hat seit 2015 über 6500 Freundschaftstandems gebildet. In Leipzig gibt es ca. 250 Freundschaftstandems.

Was sind deine Aufgaben?
Ich arbeite in einem Team bestehend aus 18 Menschen und wir wollen mehr Begegnungen in der Gesellschaft schaffen. Alle Menschen, die sich bei uns engagieren, lernen wir persönlich kennen und schauen dann anhand von Interessen, Wohnortnähe, Lebenssituation und nach unserem Bauchgefühl welche Personen ein cooles Freundschaftstandem bilden können. Nachdem das Tandem gebildet ist erwächst im Idealfall eine Freundschaft.

Dabei ist uns das Prinzip Augenhöhe wichtig. Wir wollen nicht zwischen Hilfsgeber*in und Hilfsnehmer*in unterscheiden, sondern für uns sind alle Teilnehmer*innen Menschen die Lust haben sich aktiv an unserer Gesellschaft zu beteiligen.

Um unserer Community Plattformen des Austauschs bieten zu können, veranstalten wir regelmäßig Events. Ob ein Stammtisch, gemeinsames Kochen oder ein Ausflug in die sächsische Schweiz, wir richten uns ganz nach den Bedürfnissen der Community. Bei den Veranstaltungen lernen sich die Tandems auch untereinander kennen, wodurch nicht nur eine Freundschaft, sondern ganze Freundeskreise entstehen können.

Freunde sind es die uns Halt und Unterstützung geben. Unverzichtbar für jede*n Einzelnen – aber auch für den Zusammenhalt einer Gesellschaft.

Für was kämpfst du?
Ich kämpfe für mehr Miteinander in der Gesellschaft. Mit den Begegnungen, die wir schaffen, wollen wir Vorurteile abbauen und das Gegenteil beweisen von dem was in den Medien berichtet wird. Oft wird ein negatives Bild von geflüchteten Menschen erzeugt und dieses setzt sich in den Köpfen vieler Menschen fest. Das Ziel ist eine offene und bunte Gesellschaft, in der sich alle Menschen wohlfühlen unabhängig von Herkunft, Religion und sexueller Orientierung.

Wann hat dein Kampf begonnen?
In Leipzig engagiere ich mich seit Mitte 2018 in der Einbindung von Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft. In dieser Zeit habe ich sehr viele positive Erfahrungen gemacht und großartige Entwicklungen von Menschen miterlebt.

Welches Ereignis hat dich am meisten geprägt?
Mich haben die Aufmärsche von Pegida und in Leipzig Legida vor fünf Jahren geprägt. Ich habe gespürt wie groß der Hass der Demonstrant*innen gegenüber bestimmten Menschengruppen war. Dabei fragte ich mich wie es sein kann so einen Hass und Ablehnung gegenüber Menschen zu verspüren, zu denen man keinen persönlichen Kontakt hat. Das hat mich geprägt und mich motiviert den Start für Menschen, die neu in Deutschland sind, zu erleichtern.

Was würdest du an der aktuellen Situation ändern wollen?
Menschen sollten offener zueinander sein. Einen Menschen aufgrund seines Aussehens oder Namens abzustempeln ist einfach falsch. Oft vereinsamen Menschen, die neu in Deutschland ankommen da sie einfach keinen Anschluss in der Gesellschaft finden. Und das ist aufgrund des gesellschaftlichen Klimas oft nicht so einfach!

Welche Menschen / Einzelpersonen bewunderst du?
In Leipzig bewundere ich Nhi Le, da sie auf viele wichtige Themen aufmerksam macht und das Mindset vieler Menschen positiv beeinflusst!

Was ist derzeit dein aktuelles Liebglingslied?
Where is the Love? – The Black Eyed Peas

(Diesen Song findet ihr in der „herzkampf“-Playlist bei Spotify)

Wenn ich dir 5000€ schenke und du müsstest das Geld spenden, wohin würdest du es aktuell spenden?
Aktuell würde ich es zum einen den Helfer*innen spenden, die in den überfüllten Geflüchtetenunterkünften in Griechenland arbeiten und versuchen das Leid der Menschen zu mindern. Zum anderen an Seawatch, da sie sehr viel Menschenleben retten in einer Zeit in der Menschlichkeit scheinbar nicht an erster Stelle liegt.

Gibt es Links oder Texte wo man sich näher über dich oder deine Institution informieren kann?
Mehr über Start with a Friend kann Mensch auf www.start-with-a-friend.de erfahren und sich gerne bei einem Infotreffen näher darüber informieren. Wir freuen uns über jede Unterstützung!

Ort: Sportforum, Leipzig

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