Maximilian Becker
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Als ich Max fotografiert habe, war die Situation ziemlich absurd. Ein wunderbarer warmer Tag im Februar und gleichzeitig stehen wir in einem großen Tagebau, der nur so vor Zerstörung strotzt. Er ist bei Ende-Gelände aktiv und stellt sich gegen den Kohleabbau, probiert Politik bei den LINKEN voranzutreiben und organisiert oft Demos in Leipzig. Die gemachten Bilder könnten also gar nicht besser auf ihn zutreffen. Was Max sonst noch so bewegt und macht, könnt ihr jetzt hier nachlesen:

Wo bist du aktiv und wofür engagierst du dich?
Ich bin unter anderem bei Ende Gelände, im Bündnis #unteilbar sowie in der LINKEN aktiv. Bei Ende Gelände kämpfen wir für einen sofortigen Kohleausstieg sowie für weltweite Klimagerechtigkeit. Bei #unteilbar geht es darum, verschiedene gesellschaftliche Kämpfe sichtbar zu machen und dafür zu streiten, dass diese gemeinsam geführt und nicht gegeneinander ausgespielt werden. Bei der LINKEN bin ich auf Stadtebene in Leipzig damit beschäftigt, Neumitglieder auf ihrem Weg in die Partei zu begleiten. 

Was sind deine Aufgaben?
Das ist so genau gar nicht zu sagen. Oft spiele ich eine Art Feuerwehr – wo etwas gebraucht wird, bin ich da. Oft hat es was mit Pressearbeit zu tun, aber auch spontane Aktionen organisiere ich sehr gern. Als beispielsweise letztes Jahr im Februar der Dammbruch in Thüringen stattfand, habe ich gemeinsam mit einigen anderen noch am gleichen Abend in Leipzig eine Demonstration am Neuen Rathaus organisiert.

Ähnlich, als im Herbst das Lager Moria gebrannt hat. Am Morgen nach dem Brand habe ich ab morgens 6.30 Uhr pausenlos telefoniert, um eine gute Demo auf die Beine zu stellen. Wir waren dann deutschlandweit die ersten, die eine Demo angemeldet hatten. Am Abend gingen in Leipzig mehr als 2.500 Menschen auf die Straße – bundesweit waren es zehntausende. 

Wofür kämpfst du?
Ganz platt gesagt: für eine bessere Welt. Wir leben in einem System, in dem einige wenige Männer mehr Geld besitzen als die Hälfte der Bevölkerung. Einem System, dass die Klimakrise befeuert. Einer Gesellschaft, in der Rassismus und Antisemitismus zunehmen. Gegen all diese Missstände braucht es Widerstand. All diese Kämpfe müssen gekämpft werden – sie müssen #unteilbar zusammen gekämpft werden. Und ich fühle mich als Teil dieser Kämpfe. 

Wann hat dein Kampf begonnen?
So richtig politisiert habe ich mich eigentlich, nachdem ich 2014 nach Leipzig gekommen bin. Kurz nach meinem Umzug begannen die „No Legida“ Proteste und auch die Klimagerechtigkeitsbewegung nahm ab dieser Zeit so richtig an Fahrt auf. 

Welches Ereignis hat dich am meisten geprägt?
Schwer zu sagen. Aber wahrscheinlich war es mein erster Besuch in der Kohlegrube 2016 in der Lausitz. Wer einmal in einem solchen Ort der Zerstörung war, vergisst diesen Moment nicht. 

Sehr berührend fand ich auf der #unteilbar Demonstration 2019 in Dresden auch eine über 90-jährige Frau, die auf dem Gehweg vor ihrem Pflegeheim stand und ein Plakat „Uroma gegen Nazis“ hochhielt. 

Was würdest du an der aktuellen Situation ändern wollen?
Ganz aktuell? Diese verdammten Patente sollten freigegeben werden, damit möglichst schnell möglichst alle Menschen gegen Covid19 geimpft werden können. Zudem stehen auf meinem Wunschzettel: Vermögenssteuer, sofortiger Kohleaussteig und die Enteignung von Wohnungs- und Energiekonzernen. 

Welche Menschen / Einzelpersonen bewunderst du?
Ich bin kein großer Fan von solchen Bewunderungen. Aber grundlegend bewundere ich alle Menschen, die ihr Leben dem Kampf für eine bessere Gesellschaft und für mehr Gerechtigkeit widmen. Von den indigenen Kämpfen gegen kapitalistische Landnahme und Umweltzerstörung in Mittelamerika, über die Kämpfe der Beschäftigten für Arbeitnehmer*innenmitbestimmung bei Amazon, bis hin zu den Kämpfen der Angehörigen der Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau um Aufklärung – all diese Kämpfe verdienen Bewunderung. Und noch unzählige mehr. 

Was ist derzeit dein aktuelles Lieblingslied?
Ein Lied, bei dem ich immer noch Gänsehaut bekomme, ist „Diamonds“ von Rihanna. Ich erinnere mich gut, wie wir 2019 mit 2.000 Aktivist*innen im Tagebau Garzweiler standen, die Sonne am untergehen war und ein Lautsprecherwagen an den Grubenrand angefahren kam. Er spielte zum Sonnenuntergang dieses Lied, wir Aktivist*innen tanzten ausgelassen in der Kohlegrube während hunderte Polizist*innen recht verdutzt um uns herumstanden. Unvergesslich!

Und ansonsten ein absoluter Klassiker: „Pure Vernunft darf niemals siegen“ von Tocotronic

(Diese Songs findet ihr in der „herzkampf“-Playlist bei Spotify)

Wenn ich dir 5000€ schenke und du müsstest das Geld spenden, wohin würdest du es aktuell spenden?
Es gibt aktuell so viele Einrichtungen, die unter der Corona- Pandemie leiden, dass es echt schwer ist, etwas rauszugreifen. Aber wahrscheinlich würde ich einen Teil ans Werk 2 in Leipzig, einen Teil an die Leipziger Tafel und einen Teil an Mission Lifeline spenden. 

Gibt es Links oder Texte wo man sich näher über dich oder deine Institution informieren kann?
Über Ende Gelände erfahrt ihr mehr auf der Homepage: https://www.ende-gelaende.org/. Ende des Jahres wird voraussichtlich auch ein spannendes Buch über Ende Gelände erscheinen

Mh, ansonsten? Ich bin auch noch in einem tollen Schreibkollektiv – dem ILA Kollektiv. Wir haben bereits zwei Bücher über die imperiale und solidarische Lebensweise herausgebracht. Unser Buch „Auf Kosten anderer“ könnt ihr hier kostenfrei herunterladen: www.aufkostenanderer.org. 

Falls ihr mehr über mein tägliches politisches Leben wissen wollt, folgt mir gern auf Twitter: @bckmx

Ort: Tagebau Schleenhain

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