Aiko Kempen

Aiko kenne ich schon sehr viele Jahre. Wir haben uns damals über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt. Meistens sind unsere Begegnungen sehr zufällig. Als Journalist setzt er sich mit der Justiz, den Sicherheitsbehörden und rechten Strukturen auseinander. Sehr viel Aufmerksamkeit bekam er rund um Silvester, da er sich dort mit den Kontroversen rund um das Connewitzer Kreuz auseinandergesetzt hat. Natürlich macht es dann auch Sinn, sich direkt am Kreuz zu treffen, um diese Aufnahmen zu machen. Was er bisher alles erlebt hat, könnt ihr jetzt hier nachlesen:

Wo bist du aktiv und wofür engagierst du dich?

Ich bin Journalist und veröffentliche regelmäßig Recherchen in Zeitungen, Magazinen und seit kurzem auch im Fernsehen. Dabei setze ich mich thematisch oft mit Sicherheitsbehörden, Justiz und rechten Strukturen auseinander.

Was sind deine Aufgaben?

Mir ist es wichtig, Menschen zu Wort kommen zu lassen, die nicht einfach eine Pressemitteilung über ihre Sicht eines Ereignisses verschicken können, die dann überall abgedruckt wird. Ich versuche Missstände öffentlich zu machen, die sonst möglicherweise unbeachtet geblieben wären.

Wofür kämpfst du?

Für einen differenzierten Blick auf komplexe Sachverhalte und einen Journalismus, der sich nicht als verlängerte Pressestelle von Behörden und Unternehmen versteht, sondern jede Quelle prüft.

Wann hat dein Kampf begonnen?

Zum Journalismus bin ich erst vor wenigen Jahren und auch beinahe zufällig gekommen, habe dann aber sehr schnell festgestellt, was ich machen möchte: investigative Recherche. Eine Initialzündung war die juristische Aufarbeitung des Neonazi-Angriffs auf Leipzig-Connewitz, die ich seit knapp drei Jahren begleite. Beim ersten Prozess dazu war der Saal so voll, dass einige Pressevertreter draußen bleiben mussten. Beim nächsten Termin zwei Wochen später saß ich fast allein im Gerichtssaal. Da habe ich gemerkt, dass der Journalismus, den ich betreiben möchte dann anfängt, wenn der Rummel um die schnelle Nachricht vorbei ist.

Welches Ereignis hat dich am meisten geprägt?

2006 war ich mit meiner damaligen Band auf Tour in Russland, wo die Neonaziszene zu der Zeit gerade besonders aktiv war. Am letzten Abend der Tour wurde nur wenige hundert Meter von dem Club in dem wir spielen sollten ein Mensch von Neonazis erstochen – weil er zu unserem Konzert wollte. Sein Name war Sasha Rjuhin, er wurde 19 Jahre alt. Da ist die reale Bedrohung durch rechte Gewalt für mich zum ersten Mal hautnah zu spüren gewesen. Vier Jahre später wurde dann unser russischer „Tour-Security“ und Freund Vanja in seinem Treppenhaus von Neonazis erschossen. Wie prägend das alles für mich war, habe ich tatsächlich erst realisiert, als der Zeit-Journalist Christian Bangel auf Twitter den Hashtag #baseballschlaegerjahre gestartet hat und ich aufgeschrieben habe, was damals passiert ist. Davor hatte ich diese Geschichte jahrelang nicht erzählt.

Was würdest du an der aktuellen Situation ändern wollen?

Es gibt unfassbar viel Ungerechtigkeit, die vermutlich nicht vom einen auf den anderen Tag einfach aufhören wird. Ein Anfang wäre es bereits, wenn diese Ungerechtigkeiten öffentlich präsent werden. Aktuell habe ich etwa das Gefühl, dass seit dem Tod von George Floyd das Thema unrechtmäßiger und rassistischer Polizeigewalt auch für Menschen sichtbar geworden ist, die so etwas vorher abgetan haben. Da sehe ich vor allem Medien in der Verantwortung – mich eingeschlossen.

Welche Menschen / Einzelpersonen bewunderst du?

Ich bewundere Menschen, die den Kampf gegen Institutionen auf sich nehmen und Menschen, die bereit sind, ihre eigene Leidensgeschichte öffentlich zu machen.

Was ist dein aktuelles Lieblingslied?

Dillinger Four – Doublewhiskeycokenoice
(Diesen Song findet ihr in der „herzkampf“-Playlist bei Spotify)

Wenn ich dir 5000€ schenke und du müsstest das Geld spenden, wohin würdest du es aktuell spenden?

Solange noch Menschen im Mittelmeer ertrinken, ist jeder Cent für SeawatchMission Lifeline etc. bitter nötig. Und einen Teil würde ich an Projekte geben, die in ländlichen Regionen wichtige kulturelle und politische Jugendarbeit machen: Das Dorf der Jugend in Grimma, das Emil in Zittau und Agenda Alternativ im Erzgebirge.

Gibt es Links oder Texte wo man sich näher über dich oder deine Institution informieren kann?

Ein journalistisches Portfolio gibt es hier: https://www.torial.com/aiko.kempen
Auf Twitter schreibe ich ab und zu auch mal ausführlicher: https://twitter.com/x_xjochen

Ort der Aufnahme: Connewitzer Kreuz, Leipzig

Support Herzkampf

Herzkampf ist ein Projekt, was von einer einzelnen Person gestemmt wird. Es kostet Zeit, Geld und ist aufwendig, jede Woche einen neuen aktiven Menschen vorzustellenFalls ihr die Seite gut findet, könnt ihr das Projekt entweder per Paypal oder bei Steady unterstützen. Falls euch das Herzkampf-Logo gefällt könnt ihr auch Shirts oder andere Produkte im Shop davon kaufen. Jeder Cent hilft.