Heike Kleffner

Von Heike bin ich schon sehr lange ein Fan, sie arbeitet auf, veranschaulicht und schreibt tolle, wenn auch traurige Bücher. Sie ist seit über 20 Jahren aktiv und recherchiert zu dem Thema „Todesopfer rechter Gewalt“.  Ich bin sehr dankbar, Sie jetzt für Herzkampf zu portraitieren zu dürfen. Was sie für Ansichten teilt, könnt ihr jetzt hier nachlesen:

Wo bist du aktiv und wofür engagierst du dich?

Ich bin seit langem in der Beratung und Unterstützung von Menschen aktiv, die rechtsterroristische, rassistische und antisemitischer Angriffe erlebt haben – aktuell als Geschäftsführerin des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG e.V.).

Was sind deine Aufgaben?

Meine Aufgabe sehe ich vor allem darin, die tödliche Dimension von Rechtsterrorismus, Rassismus und Antisemitismus aufzuzeigen – als Journalistin habe ich vor 20 Jahren ein Langzeitrechercheprojekt „Todesopfer rechter Gewalt seit 1990“ initiiert, das ich gemeinsam mit Frank Jansen für die beiden Zeitungen „Tagesspiegel“ und “ ZEIT/ZEIT Online“ seit zwei Jahrzehnten betreue. ( https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-09/todesopfer-rechte-gewalt-karte-portraet) Unsere Recherchen sind zur Basis für viele andere Erinnerungsprojekte geworden – was mich sehr freut. Denn das Ziel liegt ja auf der Hand:  Die oftmals „vergessenen“ Opfer und die Perspektive ihrer Angehörigen sichtbar zu machen und ihre offizielle Anerkennung durchzusetzen. Dazu gehört auch, dafür einzutreten, dass alle, die von rechter Gewalt betroffen sind, über ihre Rechte informiert sind und durchsetzen können – mit soviel professioneller und solidarischer Unterstützung wie sie wünschen und benötigen.

Wofür kämpfst du?

Für eine Gesellschaft, in der gleiche Rechte und Teilhabe für alle selbstverständlich ist.

Wann hat dein Kampf begonnen?

Als Teenager bin ich durch die Anti-AKW-Bewegung und Friedensbewegung der 1980er Jahre politisiert worden – in einer damals sehr ländlich geprägten Umgebung, wo Michael Kühnen bei einer überzeugten alten Nationalsozialistin unterschlüpfen und ganz offen erste Wehrsportübungen abhalten konnte und unser Geschichtslehrer schon als linksextrem galt, weil er den „SPIEGEL“ und nicht „DIE WELT“ gelesen hat.

Welches Ereignis hat dich am meisten geprägt?


Es gibt mindestens zwei Ereignisse, die mich am meisten geprägt haben: Das rassistische Pogrom in Rostock-Lichtenhagen im August 1992, das wir nicht verhindern konnten. Und die Selbstenttarnung des NSU-Kerntrios. Die Konsequenz aus beiden Ereignissen, das Wissen der Betroffenen und die eigene Erfahrung sehr ernst zu nehmen, dass jegliches Vertrauen auf Polizei und staatliche Behörden in der Auseinandersetzung mit mörderischen Rassismus und Antisemitismus katastrophale Folgen hat.

Im NSU-Kontext habe ich dazu unter dem Titel „Rassismus und Staatsvertrauen“ in 2012 einen Text über meine Verantwortung als Journalistin und das mangelnde Hinterfragen von eigenem Rassismus geschrieben: https://www.tagesspiegel.de/themen/rechtsextremismus/rassismus-und-staatsvertrauen-vom-journalistischen-versagen-im-nsu-komplex/7958130.html
Und zum Pogrom in Rostock-Lichtenhagen kann ich alle Texte des Antifainfoblatts empfehlen, vor allem aber den Text aus Heft 41/1997, „5 Jahre nach Rostock: Ein Blick zurück im Zorn“. (https://www.antifainfoblatt.de/artikel/f%C3%BCnf-jahre-nach-rostock-ein-blick-zur%C3%BCck-im-zorn)

Was würdest du an der aktuellen Situation ändern wollen?

Wirklich unerträglich ist die Situation von tausenden von Geflüchteten, die durch die rassistische und tödliche Abschottungspolitik der EU u.a. auf den griechischen Inseln und in den libyschen Foltercamps unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen. Und natürlich braucht es endlich eine Freigabe der Impfpatente durch die Bundesregierung und EU für COVID19-Impfstoffe, denn die Pandemie wird nur dann erfolgreich bekämpft, wenn weltweit der Zugang zu Impfstoffen und Gesundheit für alle gesichert ist.

Welche Menschen / Einzelpersonen bewunderst du?

Es gibt sehr viele Menschen, die sich im ländlichen Raum und oft sehr alleine gegen Neonazis und Rassisten stellen – ihren Mut und Durchhaltevermögen bewundere ich sehr.

Was ist dein aktuelles Lieblingslied?

Danger Dan ft. Igor Levit „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ ist eines der aktuellen Lieblingslieder. (Diesen Song findet ihr in der „herzkampf“-Playlist bei Spotify)

Wenn ich dir 5000€ schenke und du müsstest das Geld spenden, wohin würdest du es aktuell spenden?

Eine so große Summe würde ich unbedingt auf mehrere unterstützenswerte Projekte aufteilen:
Für den Umbau das Kiez Döner in Halle (Saale) in einen lebendigen Begegnungsort mit Zukunft braucht es weiterhin Spenden: https://www.mobile-opferberatung.de/spendenaufruf-kiez-doener/

Und auch die Initiative 19. Februar Hanau ist für ihr Engagement auf Spenden angewiesen: https://19feb-hanau.org/spenden/

Und nicht zuletzt würde ich einen Teil an den Opferfonds des VBRG spenden, der viele Betroffene rassistischer, antisemitischer und rechter Gewalt auch mit kleineren Beträgen unterstützt: https://verband-brg.de/opferhilfefonds/

Gibt es Links oder Texte wo man sich näher über dich oder deine Institution informieren kann?

Es gibt unser aktuelles Buch „Fehlender Mindestabstand: Die Coronakrise und die Netzwerke der Demokratiefeinde“ (https://www.herder.de/geschichte-politik-shop/fehlender-mindestabstand-klappenbroschur/c-34/p-20815/) inzwischen auch bei mehreren Landeszentralen für politische Bildung im Shop. Und auf der Website des VBRG finden sich aktuelle Informationen zur Arbeit der Opferberatungsstellen: www.verband-brg.de bzw. bei Twitter oder Instagram unter @rechte_gewalt.

Ort der Aufnahme: Berlin-Kreuzberg

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