Klaus-Dieter Jacob

Die Fotos von Klaus-Dieter entstanden in einer Parkanlage, dort hängen gerne mal rechte Gruppen in Taucha ab. Dieser Ort wird ab einer bestimmten Tageszeit von Klaus-Dieter gemieden. Da er sobald er dort langgeht, Stress bekommt. Für ihn, Alltag in Taucha. Er führte mich ein wenig durch die Gegend und zeigte mir diverse Graffitis mit der Aufschrift „Nazi Kiez!“ „Sieg der NSDAP“ und noch einige mehr. Klaus-Dieter wohnt schon Jahrzehnte in Taucha und ist mittlerweile in der sehr wichtigen Initiative „SAfT – Solidarische Alternativen für Taucha“ organisiert. Ehrlich gesagt, war ich selten bei einer Herzkampf-Geschichte so geschockt wie hier, das Umland braucht viel mehr Unterstützung. Was Klaus-Dieter erlebt hat, könnt ihr jetzt hier nachlesen:  

Wo bist du aktiv und wofür engagierst du dich?

Ich bin in der Initiative „SAfT – Solidarische Alternativen für Taucha“ aktiv. Da unterstütze ich den Kampf gegen Diskriminierung und menschenverachtendes Gedankengut und setze mich für ein soziokulturelles Zentrum in Taucha ein. Auch jenseits von meinem Engagement bei SAfT versuche ich Proteste gegen Rechts zu unterstützen.

Was sind deine Aufgaben?

Im Moment wollen wir aus der Initiative einen Verein machen und ein Objekt für ein Soziales Zentrum, ob Ladenfläche oder gleich ein ganzes Haus, finden (was hier im Ort sehr schwer ist). Wir versuchen jetzt schon, verschiedene Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, z. B. eine Filmvorführungen im Herbst. Zuletzt gab es den Aktionstag im Mai auf dem Marktplatz in Taucha, wo wir SAfT vorgestellt haben, dabei waren u. a. „Chronik LE“, „Kleinzschocher wird bunt“ und die Brazzband „Frohe Zukunft“ aus Halle. Da gab es den ersten Versuch Tauchas BürgerInnen zu dem Thema extrem rechter Strukturen allgemein zu informieren und für die Situation in der Stadt zu sensibilisieren.

Danach gab es noch eine Veranstaltung auf dem Schloß Taucha, mit Pudding und einer Aktiven vom „Dorf der Jugend“ aus Grimma. Da gab es eine Podiumsdiskussion zum Thema Freiräume und offene Kinder- bzw. Jugendarbeit. Wir dokumentieren außerdem rechte Schmierereien und Vorfälle im Ort. Es gab bereits Redebeiträge von SAfT bei einem Straßenfest in Leipzig sowie beim „Teichstraßencup“ vom Roten Stern Leipzig. Diverse Infostände gab es auch: beim Frühlingsfest in Sehlis, bei „zschocher calling“ in Kleinzschocher, beim Georg-Schwarz-Straßen-Fest in Leipzig und am Rande des „ancient trance Festival“ hier in Taucha.

Wir tauschen uns in Taucha regelmäßig mit anderen Initiativen und Einrichtungen aus und versuchen darüber unter anderemmehr an Schulen zu starten, wo es viel um Demokratieverständnis und politische Bildung gehen soll.

Man kann uns unter s-a-f-t@riseup.net direkt anschreiben. Oder Ohren und Augen offen halten und zu einer unserer zukünftigen Veranstaltungen kommen und mit uns persönlich reden.

Wofür kämpfst du?

Für ein Miteinander ohne Ausgrenzung.
Für eine lebenswertere Welt.

Wann hat dein Kampf begonnen?

Schwer zu benennen. So ab 2000. Nach Beendigung der Schule wuchs das Interesse stetig an.

 

Welches Ereignis hat dich am meisten geprägt?

Es gab viele Situationen, die mich in meinem Handeln bestärkt haben. Besonders waren aber die vor einem Jahr begonnenen Bedrohungen und Beleidigungen auf offener Straße in Taucha gegen mich. Als Auslöser der Beleidigungen würde ich mein Aussehen verantwortlich machen, da durch diverse Aufdrucke, Buttons an der Mütze meine politische Meinung, ohne mich Ausdrücken zu müssen, klar erkennbar ist.

Somit war ich von Anfang an in ihren Augen die „Zecke“, was ihr absoluter Hauptfeind zu sein scheint. Das ist nun fast ein Jahr her.  Ich war nur einkaufen und bin denen praktisch in die Arme gelaufen, ab da an wurde ich über einige Monate wöchentlich bei Begegnungen beleidigt und bedroht. Seither meide ich Wege und Plätze, ab bestimmten Zeiten auch das Einkaufen, um jede weitere Begegnung zu umgehen, da diese meist zwischen 5 und 15 Personen sind und man da null Chance hat.

Was würdest du an der aktuellen Situation ändern wollen?

Sehr viel. Besonders wäre es, wenn die Menschen zur Vernunft kommen würden, und  begreifen das die AfD keine Alternative ist. Das Rechtsradikalismus nicht zur Normalität gehört. In Taucha ist man weniger anonym, man könnte sagen jeder kennt hier fast jeden. In Taucha spürt man mehr den Rechtsruck, der seit Jahren wieder aufkeimt. Parteien wie die AfD haben es hier einfacher WählerInnen zu finden. Auch ist die Stadt nicht besonders groß, somit trifft man öfters auf die Personen, die gerne Stress machen.

Leute tun sich dadurch hier schwerer sich politisch zu engagieren. Leider ist hier eine gewisse „mir-egal“- und „das-ist-nicht-so-schlimm“-Haltung zu erkennen. In Leipzig gibt es eine klarere Positionierung gegen Rechts, sei es von den BürgerInnen und auch der Stadtverwaltung. Die Stadtverwaltung hier verhält sich gegenüber uns etwas zurückhaltend, wirkliches Feedback und Reaktionen erfahren wir kaum, eher aus Leipzig.

Welche Menschen / Einzelpersonen bewunderst du?

Das sind viele Menschen eigentlich. Jede und jeden die sich mit engagieren im Kampf gegen die Ungerechtigkeit und sich einsetzen für eine buntere, schönere und gesündere Welt. Natürlich ganz besonders die Leute bei SAfT, ohne die ich wahrscheinlich den Mut in Taucha zu bleiben, schon verloren hätte.

 

Was ist dein aktuelles Lieblingslied?

Ufff, schwer zu beantworten.  Ganz gut und gerade im Kopf schwirrt mir „Lulu & die Einhornfarm – Zitrone“ durch den Kopf.
(Diese Songs findet ihr in der „herzkampf“-Playlist bei Spotify)

Wenn ich dir 5000€ schenke und du müsstest das Geld spenden, wohin würdest du es aktuell spenden?

Es gibt, so viele die es verdient haben. Spontan würden mir RAA Sachsen – Opferberatungchronik LELixer e.V. aus KleinzschocherRote Beete eG  und KOLA aus Taucha einfallen. Unter denen würde ich gerne das Geld aufteilen, da diese uns mit sehr viel Tatkraft unterstützen. Natürlich müssten da noch viele andere genannt werden.

Gibt es Links oder Texte wo man sich näher über dich oder deine Institution informieren kann?

Ort der Aufnahme: An der Bürgerruhe, Taucha

Support Herzkampf

Herzkampf ist ein Projekt, was von einer einzelnen Person gestemmt wird. Es kostet Zeit, Geld und ist aufwendig, jede Woche einen neuen aktiven Menschen vorzustellenFalls ihr die Seite gut findet, könnt ihr das Projekt entweder per Paypal oder bei Steady unterstützen. Falls euch das Herzkampf-Logo gefällt könnt ihr auch Shirts oder andere Produkte im Shop davon kaufen. Jeder Cent hilft.